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Mobbing ist schlimm. Doch in der Schule und als Kind gemobbt zu werden, das kann ein ganzes
Leben zerstören und ist ein Hinweis darauf, dass die Täter erhebliche soziale Defizite
aufweisen. Nicht selten sind es jedoch die Opfer, die weichen, klein bei geben und hohe Flexibilität
zeigen müssen, um wieder normal leben und lernen zu können, während die Mobber unangetastet weiter
ihren Weg gehen. Doch wie sollen diese Kinder jemals lernen, wie man sich sozial fair und sinnvoll
verhält, wenn man ihnen ihre Grenzen nicht aufzeigt und sie das richtige Verhalten in der Familie und
in weiten Teilen der Gesellschaft nicht vorgelebt bekommen?
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Juttas Brief...
(© Alexander Rossa 2010)
Lieber Papa,
eigentlich ist Schule gut, wenn doch nur die Klassenkameraden nicht wären.
Sie haben alles zerstört, was mir Freude bereitet hatte, alles zerlacht und verspottet, an dem mir etwas lag.
Sie sind mehr widerliche Monster, als Menschen.
Ich verachte sie, weil ihnen einfach nichts bedeutet.
Sind sie einmal freundlich zu mir, so planen sie wieder etwas gegen mich.
Wende ich mich ab, so kann ich die Schäbigkeit ihrer Worte bereits spüren, ohne sie hören zu müssen.
Immer wieder gehe ich auf sie zu, will mit ihnen zusammen in der Pause im Hof stehen und einfach nur dazu gehören. Doch sie drehen sich einfach weg.
Das Essen stehlen sie mir aus meiner Tasche und haben mir auch schon viele Hefte weg genommen, damit ich schlechte Noten bekomme. Die wollen mich alle nur loswerden.
Die Lehrer glauben mir nicht und meinen, ich hätte die Hefte verschlampt oder meine Hausaufgaben nicht gemacht.
Das ist nicht wahr. Ich liebe es, meine Hefte schön zu gestalten.
So ungern gehe ich heute in die Schule, Papa. Mein Magen schmerzt dann immer vorher, und ich wäre manchmal lieber tot, als mich wieder zu denen in diese Klasse zu setzen. Gestern hatte ich sogar Durchfall und musste mich übergeben. So sehr Angst hatte ich davor, in diese Schule zu gehen.
Schon wenn ich auf den Gängen den Geruch der Schule rieche, dann wird mir übel, und ich muß weinen. Die Tränen kommen dann einfach so. Ich kann
es nicht ändern. Das sehen die Leute sofort alle und haben sogleich wieder einen Grund, über mich zu lachen.
Die Lehrer meinen nur, ich soll mich nicht so anstellen.
Lernen müßte ich das, mit den anderen klar zu kommen.
Das würde zum Erwachsen werden mit dazu gehören.
Das alles sagen sie, mehr nicht.
Jetzt wirst Du fragen, was die Lehrer denn gegen diese Gemeinheiten tun und ob sie es wissen.
Ja, lieber Papa, sie wissen es, und am Anfang versuchten sie auch ihr Glück bei den anderen.
Sie haben mit uns allen geredet und alle ermahnt. Mich haben sie auch ermahnt. Dabei habe ich doch nichts Unrechtes getan. Dann haben sie Krisenvertreter gewählt. Doch die wollten eigentlich nur in Ruhe gelassen werden und haben sich dann vom Pausenhof verzogen, um nicht von uns gefunden zu werden.
Schnell erkannten die Lehrer, dass die ganze Klasse wichtiger ist, als eine einzelne, doofe Schülerin.
Daher schreibe ich Dir nun auch diesen Brief.
Sie wollen mit Dir sprechen, weil ich so oft fehle.
Immer wieder haben sie mir gedroht, mich von der Schule zu werfen, wenn ich weiterhin so viel fehle.
Sie wollen mich einfach nicht verstehen, und sie wollen mich jetzt ganz schnell loswerden.
In ihren Augen bin ich eine Lügnerin. Keiner glaubt mir!
Mir fällt das Leben so sehr schwer, Papa. Warum ist das alles nur so?
Gerne habe ich für die Schule gearbeitet, meine Hefte mit Bildern beklebt und Hausaufgaben gemacht.
Doch alles das, es ist jetzt verflogen und ganz so, als wäre es völlig weg, wie ausradiert.
Meine Noten werden auch immer schlechter.
Ich habe eigentlich nur noch Angst, und schwach bin ich auch.
Kein Fußball kann ich spielen, und keiner wählt mich deshalb im Sportunterricht.
Die Jungs halten sich dann immer die Nase zu, als würde ich stinken.
Stets gibt es nur Fußball, weil die Jungs das so wollen und der Lehrer keine Lust auf uns hat.
Ich kann das nicht, habe Angst vor dem Ball, weil die immer auf mich zielen und ganz fest schießen.
Doch die Jungs, die können sich dann immer nur über mich lustig machen und lachen mich aus.
Die Mädchen lachen dann mit. Sie finden es gut, das sie mich auslachen können.
Was bin ich noch wert, wenn mich keiner mag?
Nicht einmal die Lehrer mögen mich und schimpfen nur noch mit mir herum.
Aus einer anderen Klasse hatte ich einmal einen Freund für die Pausen gefunden.
Der Martin war immer total lieb.
Wir haben viele Sachen gemeinsam unternommen und dabei immer viel gelacht.
Doch die anderen haben ihm dann aufgelauert, nach der Schule, und sie verprügelten ihn. Sie haben ihn bedroht und immer wieder ausgelacht und gehänselt, dass er immer nur mit den doofen Mädchen spielen würde.
Nun sieht er mich nicht mehr an, und ich bin wieder ganz alleine.
Das tut mir schrecklich weh. Die tun mir weh. Ich hasse sie.
Ich will nur noch weg, ganz weit weg.
Bitte hole mich hier raus, Papa!!!
Ich habe Dich lieb.
Deine Jutta
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